Das Herz der Karibik – Cartagena

Von Bogota ging es mit dem Bus nach Cartagena, auf die andere Seite Kolumbiens. Wir hatten bereits viel über die Küstenstadt mit der wunderschönen Altstadt an der Karibik gehört und wollten sie auf keinen fall missen. Nur wie zum Himmel sollen wir dort hinkommen? Mit dem Flugzeug war es viel zu teuer, Züge fahren nicht und ein Auto mieten kommt in Kolumbien auf keinen Fall in Frage… also blieb uns als letzte Möglichkeit der Bus.

Eine Busfahrt die ist schön, eine Bus fahrt die ist LANG (in Kolumbien). Gebucht hatten wir den Bus morgens um 8.00 Uhr, der natürlich pünktlich zur kolumbianischen Zeit um 10.00 Uhr los fuhr. Statt 22 Stunden wurden es gaaaaaanze 28 Stunden in einem kleinem Bus. Es roch nach allem Möglichen, nur nicht lecker. Der ungemütliche Sitz wurde immer ungemütlicher, wir hatten nur Glück, dass wir in der ersten Reihe saßen und unsere Füße auf den Tresen vor uns legen konnten. Es gab zum Glück eine Klimaanlage die uns an diesem Tag das Leben rettete.

Kaputt, stinkend und hungrig stiegen wir aus dem Bus in Carthaena aus. Wir buchten bereits im Bus ein süßes Hostel in der Altstadt. Zu dieser Zeit wussten wir noch nicht, das genau dieses Hostel ein Glückstreffer werden würde, wir statt zwei Übernachtungen ganze sechs Wochen bleiben würden und Carthagena zu unserer Heimat werden wird.

Angekommen in unserem Hostel erkundigten wir das gemütliche vier Etagen Eck-Häuschen. In der ersten Etage befand sich die kleine Rezeption und das Restaurant, ein kleiner Gemeinschaftsraum mit einem großen Tisch, dahinter eine kleine Küche und ein großes achter Zimmer, in dem wir schliefen. Ganz oben befand sich eine süße Terrasse mit zwei Whirlpools und einem Blick auf die ganze wunderschöne Altstadt. Genau hier ließen wir nach einem leckerem Essen im Restaurant den Tag mit einem Cocktail ausklingen.

Am nächsten Tag machten wir die Altstadt unsicher und besuchten auch die moderne Innenstadt, die Altstadt haute uns völlig aus den Socken, so würde es vermutlich mein Opi in seinen Worten beschreiben. Es stimmte, wie alle es uns zuvor gesagt hatten, Carthagena ist die Perle Kolumbiens.

Wenn wir von der wunderschönen Kolonial Stadt reden meinen Wir nicht Carthena mit ihren hässlichen Wolkenkratzern und dem Schmutzigen Sandstrand. Nein wir sprechen von “Centro Historico” , der hinter einen großen 13km langen historischen Stadtmauer verborgen liegt.

Die Altstadt könnte nicht schöner sein. Makellose, restaurierte und bunte Paläste, Herrenhäuser mit kleinen schnuckeligen Balkonen und traumhafte Innenhöfe, Kirchen und imposante Klöster, viele kleine versteckte Restaurants und Cafés die mit viel Liebe hergerichtet waren. On top war das alles mit riesigen und bunten Blumen verziert. Es spielten überall Straßenkünstler einheimische karibische Musik. Pferdekutschen fuhren herum und Salsa Tänzer zeigten ihr Bestes auf den Straßen.

Pure Lebensfreude spürt man in dieser Stadt. Dieser Vibe ist unbeschreiblich und Lars und ich waren ab der ersten Sekunde verliebt. So entschieden wir uns einen Tag länger zu bleiben, dann noch einen und noch einen …. Irgendwann, als wir nach vier Tagen entschieden haben, dass wir so langsam wohl gehen müssten, erzählte uns ein Mitbewohner von seiner spanischen Sprachschule. Genau das stand auf unsere Bucketlist – Spanisch lernen. Wir waren Feuer und Flamme und trugen uns direkt in dem Beginner-Kurs ein. Am Montag geht es los. Wie zwei kleine Schulkinder in der ersten Klasse, die sich aufgeregt darauf freuten, besorgten wir alles für unseren Unterricht. Mäppchen, Stifte, Blöcke, ein Vokabelheft, etc.

Altag / Routine

Morgens 8.00 Frühstück

Schule 9.00 – 13.00 Uhr Schulunterricht

Mittag Mittagessen + Hausaufgaben

Nachmittag Salsa Tanzunterricht über den Dächern der Stadt

Abends Whirlpool auf dem Dach des Hotels + Abendessen

Night Treffen mit allen Studenten auf dem Plaza

Ich schreibe bewusst die Worte Alltag und Routine auf, Zuhause in Deutschland fand ich diese zwei Begriffe eher negativ behaftet, genau dem wollte ich auf der Weltreise entfliehen. Aber nach einer so langen Reise, dem Hin- und Herziehen, neue Freunde finden und sich immer wieder verabschieden zu müssen, genoss ich die Routine und unseren Alltag. Diese zwei Worte bedeuteten für mich auf einmal ein kleines Stück Zuhause. Die Struktur, die gleichen Menschen, eine Stadt in der ich mich auskenne und wo mich der Avocado Verkäufer schon erkennt, der Straßenjunge mit seinem Hund begrüßte uns täglich, als wären wir die dicksten Freunde und Gustavo, der Rezeptionist des Hotels auf mich aufpasst wie ein großer Bruder, oder die Köchin weiß das ich die doppelte Portion an Pancakes weg hausn kann und mir deshalb immer heimlich welche zurück legt. All das macht einen Ort irgendwann zu einem Zuhause, ganz ungewohnt und von allein.

Ich liebte es mit Lars auf dem Rooftop zu tanzen, zwischen Salsa Musik und Merengue – uno, dos, tres, cha cha cha. Auch jetzt sehe ich noch den Tanzlehrer vor mir, wie er Lars zeigt wie er mich zu führen hat, dass meistens nicht so klappte (sorry Schatz). Ich liebe die spanische Sprache und unsere lieben Spanisch-Lehrer, die wirklich einiges mitmachen mussten wegen uns und trotz allem immer einen lustigen Spruch auf Lager hatten.

Wir nahmen alle Ausflüge mit, die von der Schule organisiert wurden. Wie zum Beispiel eine Fahrrad Tour, ein Schlammbad im Vulkan und die Tanzstunden.

Wir lernten Emma und Christine aus Norwegen kennen. Ganz besondere Menschen, mit denen wir uns auf Anhieb super verstanden und uns abends mit anderen am Plaza de Cool auf einen Mojito für ungelogen umgerechnet einen Euro trafen. Es war eine der schönsten Zeiten auf der Weltreise.

Wir lernten besondere Menschen kennen, wie zum Beispiel den Straßenjungen. Dazu gibt es eine lustige Geschichte: (Lars schüttelt schon wieder den Kopf und fängt an zu lachen) Also dann erzähle ich euch warum. Ich habe einen Welpen gestohlen, ja so würde Lars jetzt die Geschichte erzählen. Wer ihn kennt weiß, er bringt so wenig wie möglich die Dinge auf dem Punkt, aber hier muss ich mich verteidigen. Ich starte von Anfang an. Seid ihr bereit?

Also, an einem Abend nach der Schule trafen wir uns wieder alle am Plaza. Hier sitzt man gemütlich mit Street Food und Getränken, redeten und lachten viel, lernten wieder neue Leute kennen, schauten den Künstlern zu oder tanzten mit. Ich sah einen kleinen Welpen, der immer wieder zu mir kam. Er war so klein das ich ihn nicht mal auf acht Wochen schätzen würde. Ich gab ihm etwas zum Essen und Trinken, streichelte und kuschelte ihn.

Da sind wir auch schon bei der kleinen (Beziehungszoff). Denn ich liebe Straßenhunde und Katzen und probiere ihnen zu helfen wo es nur geht. Lars hingegen hält grundsätzlich zehn Meter Abstand und hasst es, wenn ich mit ihnen in Berührung komme. Der Abend verging und der Hund lag immer noch auf meinem Schoß, mittlerweile schon seit vier Stunden. Ich war mir sicher es sei ein Straßenhund, der seine Mama verloren hatte. Also beschloss ich, auch wenn es Lars nicht für gut hieß, den Hund mitzunehmen. Ich bettelte den Rezeptionisten an den Hund nur für eine Nacht bei uns schlafen zu lassen und ich würde ihn direkt am nächsten Tag in einer Tier-Organisation abgeben. Er war nach langer Diskussion damit einverstanden.

Immer mehr Hotelgäste wurden wach und alle verliebten sich sofort in den kleinen Welpen. Bis …. naja, zwei Engländer, auch Gäste das Hostels, dieses betraten und sie meinten, das sei doch Rocky, ihr Hund. Hatte ich gerade richtig gehört? der Hund hat einen Namen? Wie kann das sein? Er ist doch ein Straßenhund?

Da fing Lars sauf einmal laut an zu lachen an, du hast einen Hund gestohlen? Oh nein ich wurde ganz rot. Aber wie konnte der Hund denn so lange ohne Aufsicht sein? Mit Macenci, einer Freundin aus der Schule, die ebenfalls in dem Hostel lebte und zehn anderen lief ich den Weg zum Plaza inklusive Hund wieder zurück. Und dann kam ein wütender junger Mann auf uns zu.

Er diskutierte mit Meceni auf spanisch und ich verstand auch nur spanisch, grins. Sie gab ihm den Hund wieder zurück. Ich drohte dem jungen Mann noch einmal, dass wenn ich seinen Hund noch einmal alleine verwirrt rum laufen sah, ihm der Hunde Organisation abgab. Er nickte und stimmte zu.

Nachdem etwas Zeit vergangen war, verstanden wir uns immer besser. Ich brachte ihm Hundefutter mit und Essen für den kleinen Welpen. Somit lernte ich ihn immer besser kennen und wusste das der Junge ein Straßenkind ist, er keine Familie hat und Drogen an Touristen verkaufte. Am Schluss wurden wir die besten Freunde und auch der Hund rannte schon von Weitem auf mich zu.

Mittlerweile hatten wir schon unsere Lieblingsrestaurants, wie zum Beispiel das italische Restaurant an der Ecke mit dem super romantischen Innenhof, bei dem wir auch schon Schauspieler bei einem Filmdreh gesehen haben. Oder das Waffelhaus, sowie die leckeren Street Food Burger. Ich könnte Stunden weiter schreiben und nie würde ich die Schönheit Cartagenas annähernd beschreiben.

Die Kurztrips von Carthena aus zu den Karibischen Inseln sind eine andere Geschichte.

Aber die Verabschiedung von Cartagena war einer der Schwersten. Ich hoffe das ich irgendwann wieder nach Cartagena komme um die glücklichsten Menschen der Welt wieder in die Arme zu nehmen.

PS: Übrigens lebte Shakira nur ein paar Straßen entfernt von unserem Hostel.