XMAS IN SYDNEY

Horror Weihnachten mit überraschendem Happy End

Von vornherein war uns bewusst, dass die Weihnachtszeit nicht leicht wird. Besonders in Deutschland wird Weihnachten besinnlich mit der Familie zelebriert. “Besinnlich” ist hier in Australien wohl eher ein Fremdwort. Es scheint eine Zeit zu sein in der man sich als Weihnachtsmann oder Rentier verkleidet, dabei am Strand gerne mal mit guten Freunden bei einem BBQ ein paar Bier zischt. Also eher eine Partyzeit, die man draußen in der prallen Sonne verbringt. Nicht also wie wir in Deutschland im Haus gemütlich mit der Familie eingekuschelt bei Weihnachtsmusik und Plätzchen. Es könnte nicht unterschiedlicher stattfinden, und das, obwohl der gleiche Hintergrund, die Geburt von Jesus, gefeiert wird. 

Zu Weihnachten haben wir uns etwas Besonderes für meine Familie überlegt. Ein Paket voller Briefe, mit einem Geschenk für jeden und einer Videobotschaft. Wir wollten unseren Lieblingsmenschen das Gefühl geben trotz der Entfernung ganz nah zu sein. Zum „Glück” hatten wir so viel um die Ohren, dass wir gar keine Zeit für Heimweh hatten. Warum? Das ist eine lange und Nerven strapazierende Geschichte…

Starten wir mit der kleinen Horror Xmas Story…

Es war einmal ein böser kleiner Kobold names Andy, der in dem Weihnachtsdörfchen Manly lebte. Lars und Jil suchten ein neues Zuhause und fanden bei ihm eine Bleibe.. eine teuere Bleibe, für ein kleines dunkles Zimmer. Sie arbeiteten viel um sich das Zimmer finanzieren zu können. Aber der kleine böse Kobold machte ihnen das Leben dabei schwer. Jil und Lars hatten genug und kündigten dem Kobold den Mietvertrag. Die beiden hatten jetzt 4 Wochen Zeit ein schönes neues Zuhause zu suchen, doch leider kam alles am 24. Dezember anders.

Denn der Kobold war sauer, so sauer, dass er Feuer spukte und die Polizei-Elfen vorbei kommen mussten. Lars und Jil hatten große Angst und packten ihre 7 Sachen mitten in der Nacht ins Auto. Zu groß war die Angst, dass der Kobold mit seiner Armee vorbei kommen könnte um die wertvollen Dinge der beiden zu zerstören. Jil und Lars putzten bis früh in den Morgen die Wohnung um die Kaution zurück zubekommen. Doch der Kobold war gemein und hinterlistig und verschmutzte die Wohnung wieder. Dank der Elfen-Polizei hatten die beiden zu mindest 80% ihrer Kaution zurück erstattet bekommen. Auf den Rest warten sie bis heute noch. Was blieb den beiden übrig.. zum Glück hatten sie ja noch die Schleudi. Das Auto war zwar voll gepackt bis oben hin, aber immerhin konnten sie auf den Vordersitzen schlafen.

Jil und Lars arbeiteten ganz normal am Weihnachtstag und probierten die Tränen und den Ärger zu vergessen. Nachdem Jil um 22 Uhr Feierabend machte, lief sie zurück zu ihrem Auto. Doch leider verschwand ihr Schlüssel, er war weg. Sie suchte überall, dabei half ihr ganzes Team. Doch der Autoschlüssel war verschollen. Was jetzt?

Sie hatten doch alles in ihrem Auto. Keine Wohnung, kein Zuhause, keine Familie hier, kein Auto mehr, das vollgestopft mit ihren Habseligkeiten ist…. Jil und Lars hatten nur noch das was, sie am Körper hatten, ihr Handy und ein wenig Kleingeld in den Jackentasche. Nicht mal eine Zahnbürste. Jil weinte bitterlich, eine Kollegin fuhr sie zu Lars.

Die Beiden saßen spät am Abend alleine schweigend auf einer Bank mitten im Manly an Weihnachten. So fühlt es sich also an, wenn alles den Bach runter geht und man nichts mehr hat und einfach alles schief läuft. So traurig wie die beiden, waren konnten sie ihre Familie nicht anrufen. Zum Glück glaubte ihre Familie auf der anderen Seite der Welt, dass es ihnen gut ginge.

Pontus und Pilli, zwei Kollegen von Sydney Fresh Seafood, hatten so viel Mitleid mit den beiden Unglücksraben, dass sie spontan an dem Weihnachtsabend einluden. Jil und Lars duschten, bekamen Kleidung von dem lieben Pärchen und zwei Zahnbürsten. Sie aßen zusammen mit neuen Freunden, die sie erst 3 Tage kannten und waren so dankbar, dass sie wohl nie wissen, wie sie sich dafür revanchieren sollten.

Pilli und Pontus nahmen Jil und Lars auf und zeigten ihnen was an Weihnachten wirklich wichtig ist. Das Mitgefühl für fremde Menschen die in Not sind.

Und so endete ein Weihnachten, das wir wohl nie vergessen werden.

Am 26. 12 zertrümmerten wir mit einem Holzstock das Seitenfenster am Auto um unsere Wertsachen heraus zu holen. Leider konnten wir an den Feiertagen keinen Schlüsseldienst erreichen. Es dauerte ganze 8 Tage bis wir eine Bleibe für uns fanden.

Diese Geschichte zeigte uns was Nächstenliebe bedeutet.

Ich glaube kaum, dass ich zwei “Fremde” und dann noch Obdachlose zu mir eingeladen hätte, einfach nur damit sie nicht alleine auf der Straße feiern müssen. Wir durften bei ihnen im Camper in der Garage schlafen bis wir wieder in unser Auto konnten.

Am 25.Dezember arbeitete Lars, ohne zu Lügen, volle 20 Stunden- unglaublich, da sahen meine 15 Arbeitsstunden lächerlich aus. Wir verdienten viel Geld an diesem Tag und feierten abends bei Freunden im Garten mit Bier und Fisch.