Together 24/7

Wie wir das hinbekommen haben?

Oft schon wurden wir gefragt: Wie macht Ihr das, 24 Stunden, sieben Tage die Woche zusammen zu sein? Diese Frage ist für uns schnell zu beantworten. Denn man benötigt viel Kompromissbereitschaft, Geduld und Verständnis für den Partner/ die Partnerin. Genauso wichtig für uns war es, zu wissen, dass wir nicht nur ein Paar sind, sondern eben auch gleichzeitig beste Freunde, und das war es auch schon – unser Geheimnis dahinter. Aber mal unter uns: 24 Stunden an sieben Tagen die Woche ist im Vergleich zu vier Monaten im Auto nochmal eine ganz andere Nummer und somit überhaupt kein Vergleich.

Sind wir einmal ehrlich: ein Auto mit vier Türen, einer Matratze im Kofferraum, zwei Campingstühlen mit einem Klapptisch, ein Gasherd und zwei Teller inklusive Besteck, bieten wohl wirklich nicht so viele Zufluchtsmöglichkeiten. Wenn dann noch das Internet, Netz UND das Radio am anderen Ende der Welt über mehrere Wochen ihren Geist aufgeben, sieht das Leben im Auto schon ganz anders aus. 

Ja, du hast richtig gehört! Kein Internet UND kein Radio! Aber das war es noch lange nicht. Jetzt kommt nämlich noch dazu, dass in der freien australischen Wildnis die Hygienemöglichkeiten mehr als eingeschränkt sind. Recht schnell konnten wir hierfür eine gute Lösung finden: Man stelle sich an den Straßenrand (an dem sowieso so gut wie kein Auto fährt), nehme einen Kanister, fülle ihn mit Wasser und fertig ist die Dusche. Wenn wir Glück hatten, dann konnten wir auch in einer kleinen Quelle oder einem Wasserfall „baden”. Aber sollte man mal richtig auf Toilette müssen, wird es nicht ganz so einfach, dann lautet die Formel: Toilettenpapier + Stein = Wüstentoilette. 

Lars und ich hätten es nie für möglich gehalten, dass ein Roadtrip im Nirgendwo teilweise zur wirklichen Herausforderung werden kann. Wenn ich hier vom Nirgendwo spreche, dann verstehe ich darunter eintausend tote Känguru-Laibe am Straßenrand liegend, alle 200 Kilometer kommt mal eine Tankstelle und ab und zu ein Auto was an einem vorbeifährt. Das Essen wird im Zweiwochentakt eingekauft. Dabei ist zu beachten, dass man nur Produkte einkauft, die nicht gekühlt werden müssen. Grundsätzlich ist es super wichtig einen Plan zu machen und sich zu organisieren, denn wer weiß, wann wir den nächsten Supermarkt sehen werden? Vielleicht schon in sieben oder doch erst in zehn Tagen?

Einsamkeit bedeutet für mich in der Wüste zustehen und keinen Mucks zuhören. Nur unseren Atem zu hören, tausende Kilometer zu fahren und keinen anderen zusehen, komplett abgeschnitten von der Außenwelt zu sein. Einsamkeit kann ein großes Abenteuer sein aber auch eine Zerreißprobe. Lange Strecken liegen hinter uns und zehn Stunden im Auto zu fahren ist für uns keine Seltenheit mehr.

Sprich: 24 Stunden zusammen, ohne jeglichen Rückzugsort, leben auf fünf Quadratmetern. Bei dem es jedes Mal eine Gefahr sein kann ein Fenster aufzumachen, wir sind im giftigsten Land der Welt… Ich kann mich noch an eine kalte Nacht ebenfalls im Auto, in Perth erinnern, zusammen gekuschelt, gekleidet mit allem, was wir dabei hatten, lagen wir da und konnten vor Kälte kaum schlafen. Es war so kalt, dass wir am nächsten Morgen eingesperrt im Auto lagen. Die Türen und Fenster waren zugefroren, kleine Eiszapfen ragten von der Decke, durch meinen Atem entstand eine riesige Rauchwolke. Was sollten wir tun? Die Türen waren zugefroren. In solchen Momenten verfluchst du alles…. Was würdest du jetzt für ein gemütliches Zimmer mit Bad tun? Unsere Antwort: ALLES!

Unser Tagesablauf bei langen Strecken:  Früh raus, Lars genießt draußen seinen ersten frischen Kaffee, während die Sonne aufgeht, dann weckt er mich, wir machen gemeinsam Yoga Übungen. Dann frühstücken wir, packen alles bereit für die Weiterfahrt und los geht es! Bis wir irgendwo am späten Nachmittag oder Abend einen Stellplatz finden. Dort packen wir wieder aus, kochen unser Abendessen und legen uns schlafen. Ohne jegliche Kommunikation nach draußen, nur Lars und ich und das für Wochen. Ganz alleine. 

Nach diesem Abenteuer kann ich mit stolzem Gewissen sagen: Ich habe meinen Seelenverwandten gefunden. Seelenverwandten? Ohje, Jil jetzt wird es theatralisch. Eines muss ich klarstellen: Bisher habe ich an solche Schnulzerein nicht geglaubt, doch unser Trip hat diese Meinung komplett geändert. Für mich muss ein Seelenverwandter nicht unbedingt der Partner sein. Möglich wäre auch der Bruder/ die Schwester, der beste Freund, die Cousine, ein Haustier… Aber ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens diesen einen Menschen kennenlernen wird. Nur mit diesem „Soulmate” schwierige Herausforderungen, so unterschiedlich sie auch sein werden, gemeinsam meistern werden.

Wir beide sind uns auf jeden Fall einig, dass wir diese wahnsinnig schöne aber auch sehr herausfordernde Zeit nur gemeinsam so gut meistern konnten. Nun kann uns nichts mehr im Weg stehen –  egal welche Hürden wir noch im Leben bestreiten müssen. Wir sind so eng verbunden von dieser Auslandserfahrung an, dass wir von nun an alles gemeinsam, und nur noch gemeinsam angehen werden.

Also Lars wo ist der Ring? Grins.

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