Farmwork in Ayr

Sklavenarbeit oder 2. Visum?

Bevor ich über unsere Zeit auf der Farm spreche, möchte ich im Voraus sagen, das dies nicht bei jeden Backpackern zutrifft und das bestimmt einige auch eine sehr schöne Zeit bei der Farmarbeit erlebt haben aber das ist leider nicht der Durchschnitt und wir können uns leider auch nicht dazu zählen. Aber gut, fangen wir von vorne an: 

Nach acht Monaten reisen ohne einen Pfennig zu verdienen, mussten wir langsam auch wieder loslegen Kohle beizuschaffen. Wie? Am Einfachsten an einen Job dran zukommen ist es auf einer Farm. Paprika, Chillis, Mangos, alle Arten von Obst- und Gemüsesorten werden von Backpackern gepflückt und geerntet. Viele große Träume explodieren und fallen in kleine Stücke, wenn die Meisten von der Realität einen Schlag ins Gesicht bekommen. Farmarbeit hört sich zwar nicht nach einem Traumjob an, aber es ist machbar. Man muss erst einmal einen Tag dort gearbeitet haben, um zu wissen, wie hart diese Arbeit wirklich ist, sowohl physisch als auch psychisch. Mein Resümee: Es ist Sklavenarbeit und Ausbeutung.  

Um 4.30 Uhr geht es auf die Farm, die Namen der Arbeitenden werden in einer Liste eingetragen. Die neuen müssen vor Antritt auf dieser Liste unterschreiben, dass, falls sie von einer Schlange oder anderen giftigen Tieren angegriffen werden, der Farmer keine Rechenschaft dafür trägt. Alles läuft auf eigener Verantwortung. 

Es gibt zwei Arten von Zahlungssystemen. Die erste Variante: Der Backpacker wird per Arbeitsstunde bezahlt (dazu zählte Lars). Die zweite Variante: Man wird nach Stück, bzw. nach vollem Eimer bezahlt oder per Kilogramm –  dazu zählte leider ich. Das hieß ich habe pro Kilo von kleinen Chillies zwei Dollar, sprich 1,50 € erhalten. Für ein Kilo braucht man im Durchschnitt 40 Minuten. Soooo… also das ist wirklich nichts! Auf Pausen wird natürlich verzichtet, Pinkeln tut man auf dem Feld, um keine Zeit beziehungsweise Geld zu verlieren. In der knallenden Sonne „steht” man gebückt für mehr als zehn Stunden auf einem Feld, mitten im Schmutz. Die Sonne knallt dir ins Gesicht und diese monotone Arbeit macht es nicht wirklich leichter. Schmerztabletten werden herumgereicht wie Smarties. Auf vielen Farmen ist der Konsum von Drogen sehr hoch, da die Schmerzen mit dem Konsum von Gras weniger werden.  

Ich stehe pünktlich auf, um 4.00 Uhr klingelt der Wecker. Dann ziehe ich mir ein langes Shirt und lange Hosen an. Denn sonst würde der Busch, in dem ich gleich mehrere Stunden stehen werde, mir meine Beine und Arme zerkratzt. Die Stimmung im Bus mit allen Backpackern/ Farmarbeitern ist angespannt und traurig. Jeder probiert sich mental auf den harten Tag vorzubereiten. Ich bin wirklich kein Techno Fan aber dieses „Bum Bum” hat mich angetrieben.

Du stehst dermaßen unter Strom das du gar nicht mitbekommst wie du dir deinem Körper bei der Arbeit schadest.  Der Gedanke: Pick die Scheiße – schneller! Ich habe noch nie in meinem Leben solch eine harte Arbeit ausgeübt. Nach der Arbeit geht es nur noch unter eine kalte Dusche, Wunden werden verbunden und Schmerztabletten werden eingenommen. Gegen 17.00 Uhr geht es dann mit extremen Rückenschmerzen ins Bett. Obwohl man im Bett auch nicht wirklich seine Ruhe findet. 

Wir haben nach zehn Tagen die Farmarbeit an den Nagel gehängt. Im Nirgendwo zu arbeiten und trotzdem für ein schrott Zimmer (auch wenn wir uns sehr über eigene vier Wände gefreut haben) war der Mietpreis von 360 Dollar pro Woche einfach viel zu hoch und kaum tragbar. Auch mussten wir zur Farm immer den offiziellen Bus nehmen, der dich pro Fahrt zehn Dollar kostete und das hieß für uns beide 40 Dollar pro Tag, nur für den blöden Bus.

Wie Lars immer so gern erzählt hat: Die Farmer haben dich komplett an den Eiern. Damit meint er, dass wenn du nicht zur Arbeit erscheinst verlierst du deinen Bond, auch wenn Du zu spät kommst verlierst du deinen Bond. Das Bond ist eine Zahlung die du vor der Ankunft beim Hostel (gleichzeitig die Farmvermittlung) zurücklegen musst. Es waren ganze 400 Dollar, was für uns Backpacker viel Geld war. Davor muss man unterschreiben das man einwilligt. 

Kaum vorstellbar das dies immer noch eine der einfachen Farmenarbeiten in Australien ist. Es gibt Farmen, auf denen man nur Zwiebeln schälen muss. Die ersten 30 Minuten bist du nur am Heulen und dann riechst du für Wochen nur Zwiebeln, egal was du isst oder trinkst – das ist furchtbar, auch wenn es sich lustig anhört. In Hühnerfarmen werden Backpacker dafür bezahlt Hühner zu töten, 100 Stück pro Minute. Wenn du dies 88 Tage machst, bist du nicht mehr derselbe. Ja? Auch wenn das „nur Hühner” sind, du kannst in ihren Augen die Angst vor dem Sterben sehen. Eine Kuhfarm in der Backpacker die Kühe tätowieren mussten mit einem Brandzeichen – schau dir mal das Video in Youtube an, da wird dir schlecht. 

Beim Mango pflücken kann man sogar die Meisten unangenehme Ausschläge bekommen. Die Ausschläge müssen mit Antibiotika behandelt werden. Also Ihr seht: Die Farmarbeit ist echt kein Zuckerschlecken. Trotzdem sind Lars und ich sehr froh um die Erfahrung. Denn ohne diese könnten wir nicht mitsprechen.  Wir haben auf der Farm zwei ganz besondere Menschen kennengelernt. Scotti und Macarena und die Geschichte mit den beiden sollte trotz Abbruch des Jobs nicht zu Ende sein. Danke Euch zwei!