SINGAPUR – Nachts verschollen im Zoo

Wie unsere Reise zum Albtraum wurde…

Angekommen in Singapur, und etwas wehmütig von dem Abschied meiner Mama in Kuala Lumpur, erschraken wir erst einmal wegen der vielen Verbotsschilder: Essen und Trinken-Geldstrafen, Rauchen-Geldstrafen, Kaugummis einführen? Lebensmüde, ist denn hier alles verboten? Auch das Nicht-Spülen auf der Toilette?

Strafen in Singapur.

Mit der Metro ging es ab ins Chinatown in unser Hostel. Zur Begrüßung gab es ein Upgrade in einen Kapselroom. Yeah, ist denn heute unser Glückstag? Jeder der Gäste hat seine eigenen vier Wände in der Größe eines Einzelbettes inkl. Fernseher und einem Kleiderschrank. Sehr modern ausgestattet. 

Nach einem erholsamen und ruhigen Schlaf ging es mal wieder in unseren Lieblings Hop-On/Hop-Off-Bus, der uns durch die modernen Straßen Singapurs chauffierte. Gegen 19:30 Uhr trudelten wir im Marina Bay Garden ein, um uns die Lichtershow anzusehen. Der Garten erinnerte uns auf den ersten Blick an den Film Avatar – unsere Gedanken drifteten ab. Sieht so einmal die Zukunft aus?

Schnell zur nächsten Show. Wenn wir schon einmal so im Showrausch waren, konnten wir die Wassershow um 21 Uhr vor dem berühmten Marina Bay Hotel doch auch noch mitnehmen. Gesagt, getan! Jetzt fehlte nur das Marina Hotel mit dem einmaligen Infinity Pool. Du weißt bestimmt, von welchem Hotel ich spreche.

So wie wir zwei Backpacker aber aussahen, ließen die uns bestimmt nicht rein. Also noch mal im Eilmarsch ins Hostel, unter die Dusche und in Marathonzeit zurück. Dann ging es hoch in den 66. Stock. Der Ausblick machte Lars sprachlos, mich die Preise. Wir bezahlten für ein Bier und einen Mai Thai 50 Singapur $.

Der Ausblick auf die Stadt in Singapur.

Am nächsten Tag freuten wir uns schon abends auf die Night Safari im Singapur Zoo. Dieser hat nur nachts für die Besucher geöffnet, ist aufgebaut wie ein Freizeitpark und gegenüber den Tieren sehr sozial. So werden unter anderem viele Tierorganisationen unterstützt und Aufklärung geleistet.

Eine Bimmelbahn fährt die Besucher durch den Zoo, die Tiere laufen teilweise frei herum. Daher ist Aussteigen absolut verboten! Nur an bestimmten Stationen kann man ein paar Wege allein erkunden. Hört sich doch nach einem entspannten Zoobesuch an – kann aber wie in unserem Fall zum absoluten Abenteuer werden.

Im rechten Augenwinkel konnte ich ihn noch sehen, wie er mir zu rief: “Schatz, ich geh mir noch mal die Löwen von der Aussichtsplattform anschauen.”

Nach einem kurzen “ok”, drehte ich mich in die andere Richtung und lief los. Shit, da war es geschehen. Das Unglück nahm seinen Lauf, denn das waren die letzten Worte,  die ich von Lars an diesem Abend hörte. Wo ist er nur?, und die wichtigere Frage: wo bin ich überhaupt? Verloren im Dunkeln tapste ich einen Weg nach dem anderen ab. Mittlerweile sah sogar die Giraffe Lars ähnlich. Weit und breit war keiner zu sehen – außer wilde Tiere.

Meine Laune ging langsam aber sicher den Berg hinunter. Das konnte doch nicht wahr sein. Ich fand die Bahnstation nicht mehr. So wie ich Larsi kenne, würde er direkt zur Station laufen, um auf mich dort zu warten. Aber verflickst noch mal, wo war die Station? Ich liebe Tiere, aber im Dunkeln, alleine im Zoo, wo die Hälfte der Tiere noch frei herumlief, fand ich sie nicht mehr so toll.

Ehrlich gesagt ist es genauso gruselig wie im Film “Nachts allein im Museum”. Eigentlich fühlte es sich noch viel schlimmer an, es war wie in einem Horrorfilm. (Da fehlen mir jetzt leider die Titel, denn Horrorfilme sind gar nicht meins.) Überall raschelte und brüllte es. Die Tiere schauten dich mit großen Kulleraugen an und du dachtest dir nur: Das ist jetzt aber wirklich ein ganz schlechter Scherz, Kamera komm raus. 

Die Stunden vergingen und immer noch kein Lars in Sicht. Vielleicht wurde er von einem Löwen gefressen oder er fand die Faultiere so knuffig und legte sich einfach zu ihnen? Hat er es denn überhaupt bemerkt, dass ich seit drei Stunden weg war?

Durch eine kleine Ansammlung von Menschen und Lichtern wurde ich aus meinen Gedanken befreit. Hab ich es geschafft? Nope. Ein Schild erreichte mich. “Exit.” Nein! Ich war am Ausgang und jetzt kam ich auch nicht mehr zu ihm.

Den Bus, der uns zurückbringen sollte, hatten wir mittlerweile verpasst. Traurig und erschöpft ließ ich mich am Bürgersteig nieder. Ein Einheimischer, der meine Verzweiflung wahrscheinlich spürte, kam zu mir. 

Er versorgte mich mit Litchis und lächelte mich an: “So, jetzt erzählst du, was los ist”. Als ich fertig war, telefonierte er rum, da seine Schwester im Zoo arbeitete. Er half mir, Lars zu finden, aber keine Chance. Wie vom Erdboden verschollen. Mittlerweile saßen nur noch der alte Herr mit den Litchis und ich am Busbahnhof. Aber immerhin war ich nicht alleine und wurde von einer netten Bekanntschaft abgelenkt.

So bemerkte ich auch nicht, das Lars auf einmal auf der anderen Seite der Straße lief. Ich sprang mitten im Satz auf, ließ alles stehen und liegen und rannte zu ihm. Über meine Wangen kullerten ein paar Tränen. Ich umarmte ihn und wollte ihn nicht mehr loslassen. Kitsch? Pur, aber verliere du mal deinen Mann nachts im Zoo in Singapur!

Als ob der Abend nicht schlimm genug war, fuhren jetzt natürlich auch weder Bus noch Bahn mehr. Taxi? Uh, das wird teuer. Aber was blieb uns anderes übrig? Meine neue Bekanntschaft kam zu uns: ”Ich kann euch fahren, wir müssen nur noch auf meine Schwester warten.” Na klar, da waren wir dabei. Zu viert ging es 40 min zurück. 

Bevor wir im Hostel ankamen, luden die beiden uns noch zu ein paar Bier in einer Bar ein. Wir verbabbelten uns bis früh in den Morgen hinein. Von Einheimischen mehr über Singapur und über das Leben hier zu erfahren, ist genau das, was wir beide so lieben. Der Kontakt mit Einheimischen, das werden die besten Erinnerungen.

Er erzählte uns von den harten Strafen in Singapur, der Todesstrafe, Schlagstrafen und hohen Geldstrafen. Es ist sehr interessant, die Meinungen der beiden zu diesen Themen zu hören, darüber zu diskutieren und sich auszutauschen, wie es bei uns in Deutschland zugeht.

Wir beide haben in Asien noch keine sauberere Stadt kennengelernt wie Singapur, aber sind das die harten Strafen wert?

Durch die beiden wurde unser Tag auf jeden Fall gerettet und die Nacht wurde zum Highlight in Singapur. Von Fremden mal wieder so warmherzig eingeladen und gerettet!

Jil und Lars wieder vereint in Singapur.

Glücklich sind wir wieder vereint und freuen uns über den nächsten Trip: Neuseeland wir kommen!

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