Vietnam: Sapa – eine Wanderung der besonderen Art

Traditionen und Reis-Terrassen 

Der Nachtzug von Hanoi war ziemlich schnell gebucht, um 22 Uhr ging es los. Am nächsten Tag mit 4 Stunden Schlaf führte uns die Reise nach Sapa in Vietnam, tief in den Norden von Vietnam in den kleinen idyllischen Ort mit hinterwäldlerischem Charme. 

Herrliche Landschaftsbilder, die in erster Linie durch die wunderschönen, grünen Reis-Terrassen von Sapa geprägt sind, fernab vom Trubel in Hanoi. Hier ist es im Vergleich zu den anderen Regionen Vietnams arschkalt, aber wir hatten trotzdem Glück & haben die Sonnenstrahlen zwischen den umliegenden Reis-Terrassen genossen – wir waren auf den ersten Blick verliebt. Und das auch von den verschiedenen ethnischen Minderheiten der Region (H’mong und Red Dao, etc.), die mit ihren Souvenirs buntes Leben in die Stadt bringen. 

Ausblick auf die Reis-Terrassen in Sapa (Vietnam).
Arbeiter in Sapa (Vietnam).

Ein idyllischer Ausflug in Sapa

Wir checkten ein und die Besitzerin des Hotels bot uns an, direkt bei einer Wanderung teilzunehmen. Nur Lars und ich sowie ein spanisches Pärchen, mit denen wir während der Tage in Sapa viel Spaß hatten. 

Die schwarze H´Mong Frau, 23 Jahre alt, lebt hier in den Bergen zwischen den Reis-Terrassen, hat mit 16 Jahren geheiratet und mit 17 ihr erstes Kind bekommen. Ganz üblich hier. “Schwarz”, weil sie nur schwarze “Trachten” tragen mit bunt aufgestickten Mustern, großem Kopfschmuck und großen Ohrringen. Die Anzahl der runden Ohrringe zeigt dabei die Ehejahre. 

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Bergvölkern ist nicht nur die Tracht, sondern auch die Sprache und die Tradition. Alle ethnischen Minderheiten – und es gibt wirklich ein Dutzend in dieser kleinen Region – leben sehr friedlich nebeneinander und respektieren sich.

Aber Mädchen und Jungen aus unterschiedlichen Bergvölkern dürfen sich nicht das Ja-Wort geben. Auf meine Frage: “Liebst du deinen Mann?” Antwortete sie mir nüchtern: “Er ist ein sehr guter Farmer”, und es beantwortete mir alles, was ich wissen wollte.

Eine alte Bewohnerin aus Sapa (Vietnam).
Lars mit Kindern aus Sapa (Vietnam).
Ein kleiner Bach.

Sie wanderte mit uns 10 Stunden durch die Berge, den Reis-Terrassen, hoch und runter, durch einen reißenden Fluss, an vielen Bergvölkern, Rindern, Schafen und anderen Tieren vorbei; mit einem kurzen Stopp für einen Mittagssnack und dann zur ihrer Familie. Ich löcherte sie mit Fragen und sie erzählte mir sehr viel über sich, ihre Familie und die Traditionen, zum Beispiel Mädchen mit 14-15 Jahren, die von ihren Verehrern gekidnappt werden und 4 Tage in der Familie ihres Verehrers leben. Nach dem 4. Tag dürfen sie entscheiden, ob sie ihn heiraten oder nie wieder sehen möchten. Die jungen Mädchen können dagegen nichts machen und müssen die 4 Tage über sich ergehen lassen. Unsere Hotelbesitzerin hat uns abends bei einem Gespräch erzählt, dass sie auch von einem Bergvolk einer ethnischen Minderheit kam. Sie floh mit 14 Jahren in einer kalten Nacht von ihrer Familie, da sie verheiratet werden sollte. Sie rannte wochenlang, ohne zu wissen, wohin, ohne Familie, ganz allein. Unvorstellbar! 

Jetzt, 30 Jahre später, lebt sie in Sapa, ist Hotelbesitzerin, glücklich verheiratet und hat 2 und eben keine 15 Kinder, wie es üblich in den Bevölkerungsgruppen ist. Sie hat seitdem ihre Familie nie wieder gesehen. Keinen ihrer 13 Geschwister. 

Etwas Entspannung darf auch mal sein

Am nächsten Tag besuchten wir einen kleinen Park mit schönem Ausblick auf die Stadt Sapa in Vietnam und gönnten uns eine Massage. Am Abend nahmen wir ein traditionelles Bad – das Wasser war schwarz. Wir sind uns sehr sicher, dass dieses Wasser nicht gewechselt wurde, aber es war einmalig und wir entspannten von den Kräutern im Wasser und fühlten uns wie neu geboren. Das war wirklich perfekt an einem ungemütlichen, regnerischen Tag. 

Auch einen Markt besuchten wir hier wieder. Rohes Fleisch, ein Rinderbein inkl. Fell und lebende Fische – hier gab es alles an asiatischen Köstlichkeiten. Mutig probierten wir ein paar Snacks – ohne Durchfall.

Am Abend ging es nach drei sehr spannenden und aufwühlenden Tagen innerhalb Vietnam von Sapa mit einem Nachtbus wieder zurück nach Hanoi.

Anschließend ging es für uns weiter zur Halong Bucht und der romantischen Stadt Hoi An.

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