Johannesburg – ein Abenteuer, mit dem keiner rechnete

Die Sonne strahlte auf mein Gesicht, eingekuschelt in Lars’ Armen unter der Decke wurde ich von der Sonne geweckt – gibt es was Schöneres? Ein kurzer Blick auf mein Handy verriet mir, dass es 7 Uhr morgens war – wow! Ich bin ein absoluter Langschläfer, und dass ich freiwillig so früh aufwachte, grenzte schon an ein Wunder. Ich konnte es einfach kaum erwarten, den Tag in Johannesburg zu erleben und wollte diese Zeit nicht mit schlafen verschwenden.

Mein Dad hätte an dieser Stelle gesagt: “Schlafen kannst du, wenn du tot bist”, und da musste ich ihm ausnahmsweise mal Recht geben. Diese Zeit war einfach zu kostbar. (Nebenbei: Wir stehen jeden Morgen ohne Wecker gegen 6 bis 8 Uhr auf, einfach, weil wir es kaum erwarten können, den Tag zu beginnen.)

Ausgeschlafen und voller Energie starteten wir in den Tag. Nach einem leckeren Frühstück draußen packten wir die Rucksäcke ins Auto. Schnell nochmal in die Innenstadt und dann raus aus Joburg und ab Richtung Krüger Nationalpark. Der Plan stand für uns fest, aber da irrten wir uns gewaltig. Denn hier in Afrika lernten wir ganz schnell: Man fährt besser ohne Plan, ist offen gegenüber allem und lässt sich einfach überraschen. Wir checkten aus. Ganz in Gedanken versunken fragte hinter uns eine tiefe Männerstimme: “Wo geht es heute hin?” Wir erzählten Akohola von unserem Plan. Seine Reaktion: “Seid ihr verrückt?” Wir lachten und er schlug vor, uns seine Stadt zu zeigen.

Nach einem kurzen Telefonat sagte er sein Meeting ab, um mit uns zu kommen. Von Slums, der Innenstadt von Johannesburg, Mandelas Haus bis hin zu den reichen Vierteln zeigte er uns alles. Akohola erzählte uns viel über seine Kultur, die Politik und sein Leben – super interessant. Eine bessere Stadtführung hätten wir nicht bekommen können und das alles war sogar umsonst.

Slum in Johannesburg.

Gastfreundschaft in Afrika

Lars und ich traten dieser neuen Welt ganz offen entgegen. Das erkennen Afrikaner sehr gut und helfen zu jeder Zeit, so wie Akohola.
Nach dieser coolen Tour sind wir ein wenig nassgeschwitzt in der Lodge angekommen. Es war mittlerweile 17 Uhr und die Sonne stand schon sehr niedrig. Südafrika ist ein sehr vielseitiges und aufregendes Land mit vielen Facetten, aber trotzdem darf man nicht vergessen, auf welchem Kontinent man sich befindet! Wenn die Nacht einbricht, sollten wir nicht mehr mit dem Auto herumfahren, geschweige denn herumlaufen und in unserem Hotel oder Hostel den Abend verbringen. Eine sehr simple Regel. Leider an diesem Tag nicht einlösbar…Wir mussten also noch eine Nacht in der Lodge verbringen, denn es war mittlerweile zu spät um loszufahren. Lars wartete auf den Besitzer. Fünf Minuten in Afrika können schnell zu drei Stunden werden, denn was bedeutete schon Zeit in Afrika?

Also schlug unser neuer “Reisebegleiter” vor, in sein Lieblingspub um die Ecke zu gehen, um seine Freunde kennenzulernen. Wir fanden die Idee natürlich super. So lernten wir noch mehr Einheimische in Johannesburg kennen. Lars und ich hatten an diesem Abend unser erstes Maß in Südafrika. Also tranken wir den ersten, einen zweiten… Es war eine sehr lustige, aufgelockerte Runde. Zehn Männer und ich, und ich fühlte mich ausgesprochen wohl.

Wie uns Kyle in Johannesburg rettete

Wir vergaßen die Zeit und es wurde immer und immer später. Und auf einmal war es 24 Uhr. Zu spät, den Besitzer zu fragen, ob wir noch eine weitere Nacht in der Lodge schlafen dürfen und auch ein Hotelzimmer ist nicht einfach zu finden. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, so auch bei uns beiden. Begleitet wurden wir von unserem neuen Bekannten aus dem Pub, einem super sympathischen, lustigen Südafrikaner, Kyle. Er erwies sich später als ein wirklich wahrer Freund. Nachdem wir, mit ihm im Handgepäck, im dritten Hotel eine Abfuhr bekamen, verloren wir langsam unsere Hoffnung. Kyle schaute mich freundlich an: “Ihr könnt auch bei mir schlafen, ich wohne hier um die Ecke und meine Familie ist auch da.”

Wie ein Wildfremder in nur einer Nacht zum Freund wurde

Ein wenig misstrauisch schaute ich Lars an. Bei einem Fremden zu schlafen, den man in einem Pub kennenlernt, ist vermutlich keine schlaue Idee. Aber was haben wir für eine andere Möglichkeit? Außerdem, wann werden wir wieder die Möglichkeit bekommen, bei einem Einheimischen zu wohnen? Eher selten und das noch in Johannesburg. Also let’s start the adventure! Angekommen konnten wir unseren Augen nicht trauen. Jaaaaa, es war keine abgefuckte Hütte. Jaaa, er fuhr nicht zum Slum, sondern in ein sehr schönes großes Haus. Seine Familie nahm uns so herzlich auf und wir aßen das erste Mal afrikanisch – sehr lecker & scharf.

wie ein Wildfremder aus Johannesburg in nur einer Nacht zum Freund wurde

Die Familie hatte Freunde eingeladen und zusammen spielten sie Karaoke. Beim Zuhören bekam ich Gänsehaut – nie zuvor habe ich so schöne Stimmen gehört. Lars und ich teilten uns mit Kyle sein Zimmer. Wir spielten bis in den Morgen “afrikanisches Tabu”, was wirklich mega lustig war, und fielen dann erschöpft ins Bett. Die Nacht war laut, und ich hatte kurzen Besuch von einer Kakerlake, aber wir hätten uns nichts Besseres vorstellen können, denn diese Nacht werden wir nie vergessen. Offenheit & Gastfreundschaft überwältigten uns! Am nächsten Morgen sagte Kyle seine Arbeit ab, um uns noch ein wenig die Stadt zu zeigen (die nehmen es hier nicht so ernst mit der Arbeit). Aufgeregt zeigte er uns das Biermuseum und fuhr mit uns zum top of the roof von Johannesburg. Atemberaubend!!!

Ausblick auf Johannesburg
Unser Retter in der Not in Johannesburg
Nelson Mandela Statue

Am Nachmittag verabschiedeten wir uns und gaben uns den kleinen Finger, in Kontakt zu bleiben – das übrigens hervorragend klappt. Danke Kyle ♥

Wir haben anschließend eine Safari im Krüger Nationalpark erlebt und haben vorher die Umgebung bereist. Darüber kannst du jetzt auch mehr erfahren.

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